Diese These entspricht der Realität und begründet sich in der Natur der Sache. Eigens die neuen Fortschritte in der KI können diesen prinzipbedingten Nachteil teilweise ausgleichen. In diesem Artikel werde ich Dir erklären, warum das so ist. Ich werde die Aussage allerdings auch insoweit relativieren, als dass die absolut korrekte Belichtung selten von großer Bedeutung ist. Am Schluss des Artikels werde ich Dir auch Empfehlungen an die Hand geben, wann du welche Einstellung an deiner Kamera verwenden solltest.

Also legen wir los und klären zuerst die Grundlagen.

Was ist die Belichtung?

Um sich die Belichtung und deren Bedeutung zu veranschaulichen, geht man am Besten in die Zeit des analogen Films zurück. Hier war es die lichtempfindliche Schicht des Filmes, die der Belichtung auch ihre Bedeutung verleiht. Das von einem Aufnahmeobjekt zurückgeworfene (reflektierte) Licht trifft mehr oder minder direkt (durch Glaslinsen des Objektivs) auf diese lichtempfindliche Schicht. Je nachdem, ob sie nun mit einer bestimmten Dauer oder mit einer bestimmten Intensität einwirkt, ruft sie in der Schicht chemische Prozesse zur Bildentstehung hervor. Dabei beschleunigt die Dauer der Belichtung ebenso wie die Lichtintensität die Bildentstehung. Diese Lichtmenge (Belichtung) gilt es nun messbar zu machen, um ein Bild weder unter- noch überbelichten zu wollen. Auch in der Digitalfotografie bleibt die Belichtung und Belichtungsmessung im Prinzip das Gleiche - auch wenn andere Mechanismen die Bildentstehung ermöglichen.

Was ist “richtige” Belichtung?

Eine automatische Belichtungsmessung versucht auf ein mittleres Grau zu korrigieren. Folge: helle Motive werden zu dunkel und dunkle Motive zu hell. Abgesehen von der subjektiven und gestalterischen Komponente, ist die “richtige” Belichtung messtechnisch definiert. Ist ein Bild komplett überbelichtet, so ist es auch komplett weiß. Ist ein Bild vollkommen unterbelichtet, so ist es schwarz. Nun liegt es nahe, für eine “richtige” Belichtung die Mitte zu nehmen. Und genau so ist es auch. Das mittlere Grau ist für jede Messmethode das Maß der Dinge. Man spricht auch davon, dass 18% des reflektierenden Lichts einem mittleren, also 50% Grau entsprechen.

Nun macht man es sich relativ einfach: Wenn das mittlere Grau genau zwischen Über- und Unterbelichtung liegt… Dann muss man doch nur den Durchschnitt aller Helligkeitswerte eines Fotos bilden und mit diesem Wert vergleichen. Liegt man darunter, ist es unterbelichtet und darüber ist es überbelichtet, oder?

Ja, genau so funktioniert die Belichtungsmessung.

Aber halt! Was ist, wenn ich eine weiße Schneelandschaft fotografiere. Ist die nach der Definition dann nicht überbelichtet? Ja, ist sie und die Automatik wird die Belichtung in der Regel so weit reduzieren, bis Deine Schneelandschaft grau wird. Vielleicht kennst du sogar die Situation mit deiner Kamera. Aber keine Sorge, die Kamera kann nichts dafür.

An der Stelle kommt nun die Kameratechnik und die verschiedenen Belichtungsmessmethoden zum Einsatz.

Methoden der Belichtungsmessung

Objektmessung

Bei einer Objektmessung wird das reflektierte Licht vom Motiv gemessen. Das kann mit der Kamera oder einem Belichtungsmesser erfolgen. Bei der Objektmessung wird das vom Motiv zur Kamera zurückgeworfene Licht gemessen. Dabei werden, wie oben beschrieben, die Lichtwerte (Helligkeitswerte) der einzelnen Bildbereiche gemittelt, gewichtet und mit dem Neutralgrau verglichen. Jede in einer Kamera eingebaute Belichtungsmessung ist demnach eine Objektmessung. In welcher Form nun die Bildbereiche einzeln oder im Gesamten gewichtet werden, bestimmen dann wiederum verschiedene Messprogramme. Diese sind von Kamerahersteller zu Kamerahersteller verschieden. Allerdings gibt es grob gesagt die folgenden 3 typischen Varianten.

Spotmessung

Bei der Spotmessung wird nur ein kleiner Teil in der Bildmitte zur Messung der Belichtung herangezogen. Bei der Spotmessung wird nur ein kleiner mittlerer Teil des Bildes zur Belichtungsmessung herangezogen. Alle umliegenden Bildinformationen werden dafür verworfen. Meist wird dieser Bereich im Sucher durch einen mittleren kleinen Kreis gekennzeichnet. Je nach Anzahl der nötigen Sensoren wird nun aus den Helligkeitswerten dieses Bereichs der Mittelwert gebildet. Fotografiert man nun manuell, wird das Ergebnis des Vergleichs mit dem Mittelwert z.B. als Balken angezeigt. Um diesen Bereich nun “richtig” belichten zu wollen, verändert man Verschlusszeit oder Blende so, dass die Markierung des Balkens genau auf der Mitte - also auf dem mittleren Grau - zu liegen kommt. Allerdings sollte man nur so vorgehen, wenn der mittlere Bereich des Motivs auch ein mittleres Grau repräsentiert. Misst man hier z. B. auf ein Gesicht, kommt es auf den Hauttyp an und man muss ca. eine Blende über dem mittleren Grau liegen. Doch das führt an der Stelle etwas zu weit und ich werde in einem weiteren Artikel darauf mit Hilfe des sog. Zonensystems genauer eingehen. Die Spotmessung erfordert also Erfahrung vom Fotografen, da er den Inhalt des angemessenen Bildbereichs interpretieren muss.

Mittenbetonte Messung und Integralmessung

Bei der Integralmessung wird zwar über einen großen Teil des Bildes gemessen. Jedoch wird der mittlere Teil stärker berücksichtigt. Kommen wir zur Mittenbetonten Messung und der Integralmessung. Wie bei der Spotmessung geht man bei der Mittenbetonten Messung von einem mittleren Bereich aus, auf den man sich konzentriert. Allerdings ist dieser Bereich deutlich größer und man versucht eher die Gesamtheit des wichtigsten Bildelements abzudecken. Das funktioniert immer dann gut, wenn das anvisierte Objekt nicht zu viele dunkle oder helle Bildbereiche enthält. Ein heller Himmel außerhalb der Mitte beeinflusst die Messung nicht.

Bei der Integralmessung geht man sogar noch einen Schritt weiter und bezieht auch das Umfeld in die Mittelwertbildung ein. Hier kommt es allerdings auf die Gewichtung an. Vereinfacht gesagt, wird die Mitte des Bildes stärker berücksichtigt, ohne jedoch die Ränder vollkommen zu ignorieren. Wenn außerhalb der Bildmitte z.B. viele dunkle Bildpartien liegen, so werden diese nicht komplett unterbelichtet. Gleichzeitig führen sie aber auch nicht zu einer Überbelichtung des Hauptmotivs, da darauf der Schwerpunkt der Messung liegt.

Diese Form der Belichtungsmessung treffen wir am häufigsten an, da sie in den meisten Situationen einen guten Kompromiss liefert.

Matrixmessung

Für eine richtige Belichtung muss ein automatischer Messwert interpretiert werden. Ist also das Motiv im Messbereich natürlicherweise heller oder dunkler als ein mittleres Grau? Modernere Technik und Bildprozessoren lassen mehr Spielraum für Motivinterpretationen seitens der Kamera. Denn wie Du schon bemerkt hast, kommt es sehr auf das Motiv an, wie eine Belichtung zu steuern ist. Messe ich einen schwarzen Hund, so wird mir die Belichtungsmessung eine Korrektur empfehlen, so dass der Hund grau wird. Wenn ich jedoch weiß, dass es sich um einen schwarzen und nicht um einen grauen Hund handelt, so kann ich aus meiner Erfahrung dem Belichtungswert einen Korrekturwert hinzufügen. Die Kamerahersteller optimieren das mit verschiedenen Techniken. Bei der sog. Matrixmessung wird z.B. die Entfernungseinstellung des Autofokus mit berücksichtigt. So kann sie schon entscheiden, welcher Bildteil eine höhere Gewichtung bekommt. Auch kommen bei der Motivinterpretation teilweise die anfänglich angesprochenen KI-Ansätze ins Spiel. Denn wenn die Kamera über eine interne Datenbank mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit das Motiv “erraten” kann, kann sie auch einen entsprechenden Korrekturfaktor erraten.

Für eine Objektmessung auf eine Graukarte visiert man mit einer Spotmessung die Graukarte an. Diese sollte so ausgerichtet sein, dass sie das Licht wie das Motiv einfängt. Um den Faktor der Motivinterpretation jedoch nahezu vollständig zu eliminieren, gibt es bei der Objektmessung nur eine Möglichkeit: Die Messung auf eine Graukarte. Diese oft aus Karton gefertigte Karte ist mit mittlerem Grau beschichtet. Sie reflektiert also genau 18% des einfallenden Lichts. Diese Karte hält man nun vor sein Motiv. Und zwar so, dass sie die gleiche Lichtmenge und -qualität trifft, wie das Motiv selbst. Beschränkt man dann seine Belichtungsmessung z.B. mit der Spotbelichtungsmessung genau auf den Bereich der Karte, so hat man schnell die “richtige” Belichtung gefunden. Das Motiv wird weder zu hell noch zu dunkel. Jedoch bedarf es eines Hilfsmittels, das sich nicht in eine Kamera einbauen lässt.

Lichtmessung

Bei der Lichtmessung wird mit einem Handbelichtungsmesser das Licht gemessen, welches das Motiv beleuchtet. Dabei wird in der einfachsten Form vom Motiv in Richtung Kamera gemessen. Die Lichtmessung ist ähnlich genau und braucht auch keine Motivinterpretation.

Bei der Lichtmessung wird nämlich nicht das reflektierte Licht vom Objekt gemessen. Es wird vom Objekt aus in Richtung Kamera das Licht gemessen, was das Objekt beleuchtet. Genau genommen ist das nur eine Vereinfachung, denn man kann auch in Richtung der einzelnen Lichtquellen messen. Allerdings kommen wir dann in das Thema der Lichtsetzung, was an der Stelle zu weit führt.

Ein Handbelichtungsmesser ist insbesondere bei einer gezielten Lichtsetzung und komplizierten Lichtaufbauten unverzichtbar. Bei der Messung mit Rundkalotte in Richtung Kamera entspricht der Messwert dann dem Wert, den eine Objektmessung auf eine Graukarte ergeben würde. Diese Messmethode ist nur mit einem sog. Handbelichtungsmesser möglich. Ein Gerät, dass meist beide Messmethoden vereint. Es ist dabei wichtig auf die Stellung der Kalotte zu achten. Diese kann flach sein und das Licht aus einer Richtung messen. Das wird bei der gezielten Ausmessung einzelner Lichtquellen benötigt. Bei einer Messung in Richtung der Kamera kommt es darauf an, Licht aus mehreren Richtungen aufzufangen. So wie auch das Motiv beleuchtet wird. Dafür sollte die Kalotte halbrund sein. Je nach Hersteller wird so eine Kalotte extra aufgesteckt oder mit einem Mechanismus herausgefahren. Für den Studiogebrauch oder für eine kontrollierte Lichtsetzung ist ein Handbelichtungsmesser auch im Digitalzeitalter unerlässlich, gehört aber auch eher in die Hände erfahrener Anwender.

Handbelichtungsmesser, den ich gut empfehlen kann

Automatische vs. Manuelle Belichtung

Das ist weniger eine Glaubensfrage, sondern hängt eher von der Situation ab. Viele “Gurus” empfehlen immer den Manuellen Modus für gute Fotos usw... Naja, das ist genauso richtig wie falsch. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail zu gehen, kann eine Automatik durchaus gute Ergebnisse liefern. Wenn ich z.B. eine Bühnenshow fotografiere, würde ich eher mit einer Spotmessung auf die Gesichter messen. Ja, ich würde einen Korrekturwert aus Erfahrung hinzufügen - bin aber alle mal schneller, als manuell auf wechselndes Bühnenlicht reagieren zu müssen. Ich würde mich nun nicht von einem Bild zum anderen entscheiden, aber entsprechend der Aufnahmesituation bestimmte Einstellungen präferieren.

Dazu gebe ich nun im letzten Abschnitt ein paar Ideen und Anregungen anhand von Beispielen.

Empfehlungen: Wann messe ich wie die Belichtung?

Beispiel 1: Ich möchte ein Produkt unter kontrollierten Bedingungen fotografieren. Hier würde ich ganz klar zur Lichtmessung mit dem Handbelichtungsmesser greifen. Warum? Naja Produktaufnahmen erfordern eine präzise Wiedergabe der Farbe und Struktur. Um das zu erreichen kommt es auf eine sehr genaue Belichtung an. Also fallen alle Messmethoden mit Interpretationsspielraum weg. Es bleibt die Objektmessung auf eine Graukarte oder die Lichtmessung. Bei einer Produktaufnahme würde ich mich aus praktischen Gründen gegen die Graukarte entscheiden. Denn meist ist das Produkt nicht groß und das Lichtsetup gut abgestimmt. Oft stehen kleine Aufheller oder andere Hilfsmittel in der Nähe des Produktes. Eine Graukarte würde nicht nur den Aufbau gefährden. Es könnte auch passieren, dass sie das Licht anders einfängt, weil z.B. der Lichtkegel zu klein ist, um auch die Graukarte zu treffen. Oder die Graukarte so groß ist, dass sie ein Fülllicht nicht einfängt. Schon verfälscht das die Werte. Außerdem handelt es sich um eine kontrollierte Lichtsetzung, in der jede Lichtquelle gesondert eingemessen (also Lichtmessung vom Objekt zur Lichtquelle) wird.

Beispiel 2: Landschaftsaufnahme

Hier fährt man mit der Integralmessung oder der Matrixmessung am Besten. Es sind keine Reflexionen zu erwarten und auch eine “exakte” Belichtung lässt dem Fotografen Gestaltungsspielraum. Auf den Handbelichtungsmesser oder den manuellen Modus würde ich verzichten, da schnell eine kleine Wolke das ganze Messergebnis zunichte macht.

Beispiel 3: Nachtaufnahme

Jetzt kommt der manuelle Modus zum Einsatz. Bei langen Belichtungen muss man nicht so exakt arbeiten. (Im Bezug auf die Belichtungszeit)

Man kann die Werte schätzen und auf Erfahrungen zurückgreifen. Keine Messmethode macht hier Sinn, da die Lichter einer Stadt z.b. alle unterschiedliche Intensitäten haben. Auch ist der Kontrastumfang enorm groß und es wird schnell zur gestalterischen Interpretationssache, wann das Foto “richtig” belichtet ist.

Da empfehle ich: Verschiedene Einstellungen probieren und merken.

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